Elisabeth-Preis der Diakonie in Hessen 2011

Die Stiftung Diakonie in Hessen und Nassau vergibt in Kooperation mit den Diakonischen Werken in Hessen und Nassau und Kurhessen-Waldeck den "Förderpreis der Diakonie in Hessen", den so genannten „Elisabeth-Preis“. Das Preisgeld beträgt 12.000 Euro. Ausgezeichnet wurden zukunftsweisende Ideen, Konzepte und Projekte zu den folgenden Themen: Starke Familien – starke Kinder; Würde bewahren – trotz Alter und Krankheit. Der Preis wurde ausgeschrieben für Personen und Initiativen in Hessen, die Anstöße für zukunftsweisenden Ideen und Konzepte gegeben haben oder für ihre nachhaltige Durchsetzung stehen. Das Preisgeld soll deren Verbreitung dienen.


Erster Preis, 6.000 Euro:
Projekt „Aktiv leben mit Demenz – Altes Forstamt“, Jugenheim

Preisübergabe des 1. Preises an die Vertreter des Projekts "Aktiv Leben mit Demenz - Altes Forsthaus"

Dieses Projekt des Fördervereins der Diakoniestation Nördliche Bergstraße e.V. verbindet räumlich und inhaltlich eine Sonderwohnform für Menschen mit Demenz mit einem Familienzentrum und einem Begegnungsort für junge Menschen. Die ideale Lage des Gebäudes in der Ortsmitte erleichtert und fördert die Teilhabebedürfnisse der Bewohner genauso wie den Kontakt und die Begegnung mit den Kindern und Besuchern des Familienzentrums. Die Bewohner bringen ihre Fähigkeiten und Gewohnheiten ein. Angehörige, Betreuer und Pflegekräfte sind Gäste. Das Forsthaus, seine Bewohner, deren Familien und andere Nutzer tragen regelmäßig zum kulturellen Leben der Kommune bei: Lesungen, Vorträge, Basare und andere Kulturveranstaltungen laden Nachbarn und Gemeinde ein und bereichern die Begegnungsmöglichkeiten und Kontakte der Menschen mit Demenz. Die Begegnungen mit den Betreuungsgruppen der unter Dreijährigen des Frauen und Familienzentrums sowie einer Jugendgruppe der Deutschen Waldjugend entsprechen dem Inklusionsanspruch.

 

 



Zweiter Preis (geteilt), 3.000 Euro
Projekt „Wohnbereich Seckbacher AU“ der Inneren Mission Frankfurt am Main

Preisübergabe des 2. Preises an die Vertreter des Projekts "Wohnbereich Seckbacher Au"

Seit bald 50 Jahren engagiert sich das Hufeland-Haus für eine gute Versorgung alter und bedürftiger Menschen in Frankfurt am Main. Angesichts der zu erwartenden Zunahme von Bewohnern mit Demenz wurde das Hufeland-Haus baulich entsprechend für diese Anforderungen gerüstet. Das Konzept verfolgt auch das Ziel, die Bewohner weitestgehend ohne freiheitseinschränkende Maßnahmen zu betreuen. Es handelt sich um einen Bereich, in dem den Bewohnern ausreichend Bewegungsalternativen angeboten werden. Ein großer Wohnbereich wird in zwei Betreuungsbereiche aufgeteilt, einen Demenzbereich für mobile Bewohner (14 Plätze), der durch seine Ausstattung, seinen Zugang zum beschützten Garten und speziell geschulte Mitarbeitende geprägt ist, und eine Tagesoase (acht Plätze), in der immobile Bewohner mit weit fortgeschrittener demenzieller Erkrankung ihren Lebensort finden.

Mit diesem Konzept unterscheiden sich die Aktivitäten des Hufeland-Hauses von anderen Konzepten. Es stellt ein Phasenkonzept dar: d. h. Menschen mit Demenz werden je nach Fortschritt und Symptomatik in eigenen Räumlichkeiten von einem vertrauten Team betreut. Schließlich ist das Konzept so angelegt, dass es offen und entwicklungsfähig ist. Damit ist eine fallbezogene Anwendung je nach der individuellen Bedarfslage eines Bewohners gegeben.



Zweiter Preis (geteilt), 3.000 Euro
Projekt „Das Familienhaus“ des Elisabeth-Vereins Marburg

Preisübergabe des 2. Preises an die Vertreter des Projekts "Das Familienhaus"

Das Projekt „Familienhaus“ versteht sich als Versuch, angesichts steigender Zahlen von Familien mit Problemen in produktiver Weise zu reagieren. Es ist in seiner Konzeption in der Bundesrepublik einzigartig und richtungsweisend. Im Familienhaus werden Familien betreut, - deren Kinder in der Vitos Klinik Lahnhöhe behandelt werden und an deren Behandlung sich eine Hilfe zur Erziehung anschließen soll; - in denen ein Elternteil in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie behandelt wird und deren Familienmitglieder sich mit der Diagnose der psychischen Erkrankung auseinandersetzen müssen, um den Familienalltag mit der Erkrankung so zu gestalten, dass die Entwicklung und das Wohl der Kinder nicht gefährdet ist; - denen nach Beratung durch das Jugendamt eine stationäre Hilfe zur Erziehung für ihr Kind empfohlen wird, jedoch gleichzeitig Ansätze und Voraussetzungen zu erkennen sind, dass die elterlichen Kompetenzen und/oder seelischen Dispositionen erweiterungsfähig sind. Beispielgebend an diesem Projekt ist die enge Verzahnung von Fachkräften der Jugendhilfe und der Psychiatrie. Das Projekt wird wissenschaftlich begleitet.

 

 



Sonderpreis, 1.000 Euro:
Projekt „Brunnengasse – Hilfen aus einer Hand“, Rimbach, Diakonisches Werk Bergstraße

Preisübergabe des Sonderpreises an die Vertreter des Projekts "Brunnengasse - Hilfe aus einer Hand"

Die Arbeit mit psychisch kranken Menschen ist seit 25 Jahren einer der Arbeitsschwerpunkte des Diakonischen Werks Bergstraße. Vor dem Auf- und Ausbau der gemeindepsychiatrischen Dienste wurden psychisch kranke Menschen durch die Allgemeine Lebensberatung des Diakonischen Werks unterstützt. Das „Wohnprojekt Brunnengasse“ in Rimbach hat zum einen das Ziel, die Wohn- und Lebenssituation von Familien zu verbessern, die von psychischer Erkrankung betroffen sind und intensive professionelle Unterstützung benötigen und wünschen. Kinder, bei denen ein Elternteil psychisch erkrankt ist, sind besonders gefährdet, was ihre eigene psychische Entwicklung anbetrifft. Psychisch kranke Eltern haben aber in der Regel sowohl eine Beziehung zum als auch ein Interesse am Kind. Sie können dessen kontinuierliche emotionale und psychische Versorgung nicht durchgehend leisten. Das Angebot des Betreuten Wohnens für die ganze Familie trägt dieser Situation Rechnung, vernachlässigt aber nicht Ressourcen, die in der Familie vorhanden sind.

 

 



Aus der Laudatio von Rudolf Herfurth, Vorsitzender des Stiftungsvorstands

Gruppenfoto aller Preisträger mit Vertretern der Stiftung Diakonie in Hessen und Nassau

Der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Diakonie in Hessen und Nassau, der Frankfurter Rechtsanwalt Rudolf Herfurth, sagte zur Verleihung des Elisabeth-Preises unter anderem: 

„Wir freuen uns, dass wir in diesem Jahr erstmals den Elisabeth-Preis vergeben können, initiiert von der Stiftung Diakonie in Hessen und Nassau. Der Förderpreis wird an Personen, Personengruppen und Einrichtungen im Bundesland Hessen verliehen, die Anstöße für zukunftsweisenden Ideen und Konzepte gegeben haben oder für ihre nachhaltige Durchsetzung stehen. Wir wollen mit dem Preisgeld deren Verbreitung und Umsetzung unterstützen und sind froh, in den beiden Diakonischen Werken in Hessen Mitstreiter gefunden zu haben, die den Preis finanziell wie inhaltlich unterstützen und fördern. Denn das in den Projekten gezeigte Engagement ist lebensnotwendig für ein gutes Miteinander in unserer Gesellschaft."